Odile in der Internationalen Republik Berlin - dans la République internationale d'outre-ciel
 



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Handymänner

(erschienen 1998 in einer Freitag, welcher genau, kann ich gerade nicht rekonstruieren ...)

Bahnsteige und Züge sind gespickt mit ihnen. Alle in der gleichen lässigen Haltung, eine Hand locker im Jackett oder in der Hosentasche, mit zerstreutem Blick den eigenen Fuß betrachtend, der einem Metalldetektor gleich den Boden abzusuchen scheint, verweilt, scharrt, dann wieder zurückkehrt zu seiner ursprünglichen Haltung. Die andere Hand umfaßt großzügig das kleine Gerät, nicht immer einheitlich in Farbe und Design, länglich auf alle Fälle, am Ende des abgewinkelten Armes ans Ohr gepreßt. Das Handy.

Männer mit Handys. Ist das Mißtrauen gegenüber technischen Innovationen bei Frauen so weit verbreitet, daß es fast immer Männer sind, die sich mit Handy in der Öffentlichkeit zeigen, und um ein Zeigen geht es, nichts anderes, welcher Anruf könnte nicht noch eine Stunde oder zwei warten? Ist es auf den Preis des Gerätes nebst Telefonaten zurückzuführen und darauf, daß Männer in der Regel den höheren Gehaltsstufen angehören? Oder liegt es daran, daß Männer, wenn sie schon der Öffentlichkeit ihre Leidenschaft für Modelleisenbahnen verheimlichen müssen, ein anderes Spielzeug brauchen, um es mit dem Stolz kleiner Jungen vorzuführen: Seht her, was ich habe, seht her, ich bin wer!

Sie sorgen dafür, die Handymänner, daß sie, wenn schon nicht gesehen, so doch wenigstens gehört werden. Wer kennt nicht den Augenblick des Befremdens, wenn sich aus der Stille des ICs heraus plötzlich eine Stimme zwischen die Zeilen des gerade gelesenen Buches schiebt und sich breit macht: Ja, hallo? Ich sitze hier im Zug nach Berlin. Ja, wir sind schon hinter Köln (handy-obligatorische Selbstlokalisierung). Nein, nein, das Wetter war gut. Ja, wir haben gestern abend noch eine Rheinfahrt gemacht (auch wenn ich hier im IC einer unter vielen bin, da draußen, da habe ich Beziehungen, ich weiß, mit wem mich zu amüsieren). Ja, die Verhandlungen sind reibungslos verlaufen (jetzt kommen wir zum Geschäftlichen, möglicherweise rede ich mit dem Chef, möglicherweise habe ich eine persönliche Beziehung zu ihm, möglicherweise war ich mit ihm auch schon auf dem Rhein)... Herr Soundso meinte, er habe noch einige Produkte in Dresden bereit gestellt. Doch, bring' doch auch noch Produkte aus Leipzig mit (jaja, ich duze meinen Chef).
Ich schwöre es! Früher oder später geht es bei diesen Telefonaten immer um Produkte aus Dresden oder Leipzig, wobei geheimnisumwittert bleibt (das Geschäftsgeheimnis! very important mission!), um welche Produkte es sich handelt. Ist diese Städtepräferenz auf die von mir vorzugsweise befahrenen Strecken zurückzuführen oder gehört das Handy zum Muß im Outfit eines jeden westlichen Möchtegern-Entrepreneurs im Osten? Naja, und dann gibt es noch eine Möglichkeit: Die Handy sind alle Attrappen. In allen schwarzen Aktenkoffern verbirgt sich ein Lehrbuch mit dem vielsagenden Titel: "Mit dem Handy unterwegs. Gesprächsanleitungen für den ambitionsreichen Geschäftsmann."




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