Odile in der Internationalen Republik Berlin - dans la République internationale d'outre-ciel
 



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Am vergangenen Samstag wurde die Weihnachtsbeleuchtung in Lissabon ?entz?ndet? . In der Avenida da Liberdade h?ngen zarte, buttergelbe Vollmonde in den B?umen, im Chiado Saturnringe ohne Saturn, in der Rua do Ouro in der Baixa Planeten in einem Sternenhimmel, im Campo Ourique sind es die erleuchteten Umrisse von W?rfeln und in einer anderen Stra?e Wassertropfen mit einem Stern darin.
Auf dem Terreiro do Pa?o steht der angeblich gr??te Weihnachtsbaum Europas, eine 72 Meter hohe Konstruktion aus Gest?nge und Licht. Nachmittags hallen Technokl?nge ?ber den Platz, w?hrend die Techniker letzte Handgriffe erledigen, am Abend, als die Lichter angehen, ?Stille Nacht? und, auf deutsch, ?Schneer?ckchen?. So sehr ist mir noch nicht nach Weihnachtsliedern zumute und ich verlasse den Platz, zumal ich auf dem Weg ins Kino bin.
Was ich danach ein wenig bereue, nicht nur wegen des mittelm??igen Filmes, sondern weil ich ein Feuerwerk verpasst habe anl?sslich der Einweihung des Baumes. Am n?chsten Tag lese ich, die portugiesischen Kinos seien in der Krise wegen eines extremen Besucherr?ckgangs und denke, dass mein Kinogang immerhin etwas gen?tzt hat, zumal der Cinemateca Portuguesa.
Es regnet in Lissabon, ich kaufe mir endlich einen Schirm und klappe ihn bei einem Regenguss wie alle anderen auf. Alle tragen Regenschirme mit sich herum, auch wenn die Tageszeitung ?P?blico? die Vorz?ge von Regenkleidung hervorhebt. Wenn die Sonne herauskommt, dampft die Stadt, vielleicht ist es aber auch der Rauch der Maronenverk?ufer, der in den Stra?en h?ngt. Es regnet die N?chte durch, und es kann nur eine Frage der Zeit sein, bis die Stadt hinausschwimmt aufs offene Meer. Aber der Tejo nimmt die Wassermassen gelassen auf, liegt wie ein flaschengr?ner Teppich, den jemand vergessen hat, vor der Stadt, und wechselt, wenn die Sonne herauskommt zu einem Hellgrau-T?rkis oder f?llt morgens das Ende der Rua Aurea mit Silber. Ich kann mich nicht sattsehen am Tejo, folge den Stra?en und Treppen der Stadt bergauf, bergab und betrinke mich an der Stadt und am Gehen selbst.
Cheira bem, cheira a Lisboa, Lissabon riecht nach gegrilltem Fisch und Fleisch, nach Oliven?l, nach ger?stetem Caf?, nach dem feuchten Pflaster, um diese Jahreszeit nach ger?steten Maronen und nat?rlich nach maresia, was mir das Lexikon mit ?Seetanggeruch? ?bersetzen will. Dabei geh?rt dieses Wort in das Lexikon der un?bersetzbaren W?rter.
Es ist auch der Duft von Lissabon, der meine F??e immer wieder in Bewegung setzt, sobald ich auf die Stra?e trete ... Nach meinem letzten Hiersein konnte ich in Berlin wochenlang keine Essensger?che auf der Stra?e ertragen, weil sie f?r mich einfach schlecht rochen. Dabei bin ich Berlin durchaus leidenschaftlich zugeneigt ... Viele Jahre fr?her, an einem Morgen mit dem Fahrrad durch Berlin unterwegs, meinte ich pl?tzlich, Lissabon zu riechen. Ich drehte mich um, und war gerade an einem portugiesischen Restaurant vorbeigefahren ...
Die Stadt hat sich, wie immer, ver?ndert. Im Bairro Alto verdr?ngen die ?trendy? L?den immer mehr die fruterias, die hippen Kneipen und Restaurants die tascas. Ich frage mich, ob die Alten, die sich an der Pra?a da Alegria (!) um eine Suppenk?che dr?ngen, wegen Sanierung aus ihren Wohnungen geflogen sind. Wie ?berall auch hier Privatisierungen, die in fragw?rdige Bauprojekte m?nden, wie zum Beispiel die Luxuswohnungen, in die der Sitz der PIDE (Geheimpolizei unter Salazar) umgebaut werden soll (danke an I. f?r den Hinweis!), die Sperrung des Aussichtspunktes f?r die ?ffentlichkeit bei der Uni der Belas Artes, ein (so der Kommentator im ?P?blico?) im Badezimmerstil gekacheltes Riesengeb?ude in der Avenida der Liberdade, das den Blick vom Jardim do Torrel verschandelt, und nicht zuletzt ist die Rede davon, zwecks des geplanten neuen Flughafens in Ota die Nationale Flughafengesellschaft zu privatisieren.
Dem gegen?ber stehen staatlich finanzierte Projekte, wie die Cinemateca, die Casa Fernando Pessoa, das Kulturzentrum Belem, das Expogel?nde ?Parque das Na?es? und nicht zuletzt die Metrostationen: Immer wieder bin ich hingerissen, mit welcher Leichtigkeit und Verspieltheit, mit welcher Liebe zum Detail portugiesische Architekten Moderne mit dem, was schon existiert zu verbinden wissen.
Hingerissen bin ich auch, weil indessen l?ngst die Sonne herausgekommen ist: Ich verbringe einen ganzen Tag lesend auf den unterschiedlichen miradouros, den Aussichtspunkten der Stadt in der Sonne, der Verkehrsl?rm dringt ged?mpft nach oben, viel lauter sind die Papageien in den Platanen oder Pinien ?ber mir, die wohl irgendwann aus einem K?fig entflohen sind und sich vermehrt haben ...
24.11.05 20:24
 
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